Eva Herman
2007.10.12: bild.de - Darum ist es so gefährlich, Hitlers Autobahn zu loben
Kündigung beim NDR! Rausschmiss aus dem ZDF-Talk „Johannes B. Kerner" am Dienstag! Ganz Deutschland fragt sich: Geschieht TV-Moderatorin Eva Herman Unrecht? Oder war es richtig, sie aus der Sendung zu schmeißen, nachdem sie neben der Familienpolitik der Nazis auch noch Hitlers Autobahnen ins Spiel brachte?
Bei Kerner wollte sich Herman die Argumente des Historikers Prof. Wolfgang Wippermann (62) nicht anhören. BILD fragte den Berliner Forscher: Was ist falsch an Hermans Thesen und ähnlichen Sprüchen über die Nazis?
AUTOBAHNEN
Eva Herman sagt: „Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden. Und wir fahren heute drauf."
Prof. Wolfgang Wippermann (62): „Stimmt zwar, aber dieses Argument verwenden viele, auch Rechtsextreme, um von den Verbrechen der Nazis, von Vernichtungskrieg und Massenmord an den Juden abzulenken oder sie zu relativieren. Dabei stammen die Pläne zu den Autobahnen nicht einmal von den Nazis, existierten lange zuvor. Solche Stammtisch-Argumente gehören nicht in eine öffentlich-rechtliche Talkshow.
FAMILIE
Viele sagen über Hitlers Familienpolitik: „Hier wurden Werte wie Mutterschaft und Familien-Zusammenhalt noch hochgehalten."
Prof. Wippermann: „Die Familienpolitik unter Hitler war nicht gut, weil sie ein rassenpolitisches Ziel verfolgte: Rassenvernichtung und Rassenzucht. Sozialleistungen wie Kindergeld, Ehestandsdarlehen wurden nur an ‚erbgesunde‘, ‚rassisch reine‘ Paare gezahlt."
FRAUEN
Viele sagen: „Die deutsche Frau wurde damals noch geehrt."
Prof. Wippermann: „Falsch! Das Gegenteil ist der Fall. Frauen wurden erniedrigt, auf ihre biologische Funktion als ‚Muttertier‘ reduziert. Aus höher qualifizierten Berufen (Akademikerinnen, Richterinnen, Ärztinnen) wurden sie gezielt verdrängt. Später wurde ihre Arbeitskraft zum Beispiel in Rüstungsbetrieben für den ‚Endsieg‘ missbraucht. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs mussten sie dann die Zeche zahlen: als Ausgebombte, Vertriebene, Trümmerfrauen."
ARBEIT
Viele sagen: „Damals gab es wenigstens keine Arbeitlosen."
Prof. Wippermann: „Stimmt nicht. Politische Gegner, Homosexuelle, Juden, Sinti, Roma mussten in Konzentrationslagern schuften. Sie hatten Arbeit, aber es war Zwangsarbeit unter unvorstellbar grausamen Bedingungen. Die Übrigen mussten für die Rüstung und den Krieg arbeiten."
AUFSCHWUNG
Viele sagen: „Der Wirtschaft ging es damals besser."
Prof. Wippermann: „Das trifft allenfalls auf einige zu, und keineswegs für das gesamte Dritte Reich. Der Aufschwung der ersten Jahre unter Hitler wurde durch die Aufrüstung und dann durch den Krieg erkauft. Am Ende des Krieges verloren dann die meisten alles."
ZUCHT/ORDNUNG
Viele sagen: „Unter Hitler gab es weniger Kriminalität."
Prof. Wippermann: „Unsinn! Es gab normale Kriminalität wie heute und dazu Regierungskriminalität unfassbaren Ausmaßes: die Beseitigung der Demokratie, der Rechtsordnung, der Gewerkschaften. Terror gegen Andersdenkende, die systematische Ausbeutung von Juden und anderen."
HOLOCAUST
Viele sagen: „Man hat damals nichts gewusst von der Sache mit den Juden."
Prof. Wippermann: „Falsch! Die meisten wussten und sahen vieles (Judensterne, „Reichskristallnacht", Deportationen in die Lager). Es gab auch Berichte über Verbrechen an der Front, die Soldaten auf Heimaturlaub erzählten. Die meisten Deutschen haben weggesehen und verdrängt."
SCHULD
Viele sagen: „Das Böse haben nur Nazis und SS getan."
Prof. Wippermann: „Stimmt nicht! Einige (nicht alle) Angehörige der Wehrmacht waren an Verbrechen beteiligt. Das gilt auch für Mitglieder der normalen Polizei."
WIDERSTAND
Viele sagen: „Der kleine Mann konnte nichts tun gegen Hitler."
Prof. Wippermann: „Kleine Leute haben generell wenig Einfluss. Aber: Gerade im Dritten Reich war der Widerstand auch der Widerstand kleiner Leute. Es gab nicht nur den 20. Juli 1944 (Putschversuch hoher Offiziere, Attentat auf Hitler), sondern auch Menschen, die z. B. Juden bei sich versteckten."
HITLER-TABU
Eva Herman sagt, dass man „über den Verlauf unserer Geschichte nicht reden kann, ohne in Gefahr zu geraten".
Prof. Wippermann: „Absurd falsch! Nur das Leugnen von eindeutig nachgewiesenen Verbrechen wie dem Holocaust an Millionen Juden steht unter Strafe."
Quelle: bild.de, 12.10.2007
2007.10.10: DWDL.de - Eklat bei Kerners Talk: Eva Herman musste gehen
Schon Stunden vor der Ausstrahlung wurde vom "Rauswurf" Eva Hermans aus der Show von Johannes B. Kerner berichtet - nicht ganz richtig. Was wirklich passierte...
Eigentlich wollte Eva Herman bei Johannes B. Kerner nur ihr neues Buch "Das Prinzip Arche Noah" vorstellen. Das war vor vier Wochen. Doch als der NDR die Moderatorin am 9. September fristlos kündigte, durfte Herman damals am Dienstag darauf nicht bei Kerner im ZDF auftreten. Das sollte am gestrigen Dienstagabend nachgeholt werden. Herman, die ihren Job als Moderatorin der NDR-Talkshow "Herman und Tietjen" wegen einer missverständlichen Äußerung über die Familienpolitik im dritten Reich während einer Buchvorstellung verlor, wollte bei Kerner um ihre Rehabilitierung kämpfen und verlor auf ganzer Linie. Aber der eigentliche Verlierer des Abends heißt Johannes B. Kerner, der durch seine erschreckend schwache Moderation mehr verloren hat als Herman verlieren konnte. In seiner Talkrunde saßen am Abend neben Herman Schauspielerin Senta Berger, Journalistin Margarethe Schreinemakers und Comedian Mario Barth, denen "viel zugemutet" wurde, wie Kerner sich am Ende der Sendung entschuldigte.
"Du, Eva": Das Duzen und die nötige Distanz
Wieder kam es zum Eklat, wieder musste Herman gehen. Diesmal war es Johannes B. Kerner, der Herman zögerlich des Platzes verwies. Allerdings geschah dies erst nach gut fünfzig Minuten einer zähen bis zickigen Diskussion über die Frage, ob Eva Herman den Verweis auf die Frauen- und Familienpolitik im dritten Reich auch heute, nach jeder Menge sachlich-fundierter aber auch unsachlich-emotionaler Kritik, aufrecht erhält. Der Moderator und sein meistbeachteter Gast des Abends lieferten sich ein von Anfang an ein hartes Duell. Die Stimmung war gereizt, auch wenn sich Gastgeber Kerner für das "Du" entschied, was zu einer absurden Gesprächssituation führte, in der bei eisiger Atmosphäre gekumpelt wurde. Von nötigem journalistischem Abstand war dabei selten etwas zu spüren. Erst recht nicht als Herman hier und da anklingen ließ, welche Absprachen man im Vorfeld getroffen habe ("Du hattest gesagt, dass Du mich ausreden lassen willst dieses Mal").
Es dauerte nur wenige Minuten, da war schon klar, dass Kerner an diesem Abend bei Eva Herman in der Sackgasse stecken bleiben würde. "Ich habe in diesem Fall keinen Fehler gemacht. Es tut mir leid für die Presse und es tut mir Leid für die Menschen, die falsch informiert wurden", sagt Herman und stellte damit klar, dass sie nicht gekommen war, um sich zu entschuldigen. Herman warf Kerner im Verlauf des Gespräch immer wieder vor, er gehe das Thema mit den falschen Fragen an. Eine berechtigte Kritik, wenn auch nicht mit den Gründen Hermans. So versuchte sich Kerner viel zu oft mit demonstrativem Verständnis und Fairness. Das erregte u.a. auch Margarethe Schreinemakers, die mehrfach gerne unterbrochen hätte.
"Was bist Du und warum brauchen wir Dich?"
Herman hingegen kritisiert an Kerner immer wieder Formulierungen von Fragestellungen und die dahinter stehenden Vermutungen über ihre Gesinnung. Man redete also beispielhaft aneinander vorbei. Kerner wollte herausarbeiten, wo Eva Herman ideologisch steht. Herman wehrte sich und redete sich dabei immer tiefer ins argumentative Abseits. Die Kamera zeigte dabei mehr als einmal eine entnervte Margarethe Schreinemakers in Großaufnahme. Sie fragte Herman zwischendurch ernsthaft, was mancher Zuschauer sich gedacht haben mag. "Was bist Du und warum brauchen wir Dich?", richtete sie sich an Herman und musste selber darüber lachen. "Ich sehe Dich nicht als Vorkämpferin für irgendeinen hier im Raum", sprach Schreinemakers ihr Urteil.
Wer nach gut 45 Minuten dachte, Hermans wiederholte Selbstdarstellung als Opfer der Medien, ihre Verweigerung auf die Äußerungen des anwesenden Historikers Wolfgang Wippermann zu antworten und ihre relativierend gemeinte Aussage "Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren drauf" seien schon der Höhepunkt gewesen, wurde von der ehemaligen "Tagesschau"-Sprecherin eines besseren belehrt. So sei es ihr größter Fehler gewesen, nicht noch deutlicher auf Herausgabe des Filmmaterials zu drängen, das von einem RTL-Team bei jener umstrittenen Pressekonferenz am 6. September gedreht wurde, erklärte Herman. Sie habe lernen müssen, "dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht sprechen kann, ohne in Gefahr zu geraten". Aufregung im Studio. Spätestens hier vermengte sich die Diskussionen um die Sache Hermans - Frauen und Familie -, um das Problematische ihrer Äußerungen zum dritten Reich und um die Funktionsweisen von Presse und Medien zu einem diskursiven Brei, der wenig Erkenntnis aber jede Menge populistisches Potenzial entfaltet.
"Unerträglich": Margarethe Schreinemakers gab Herman Contra
Schließlich brach es aus den Gästen heraus. Margarethe Schreinemakers zischte "unerträglich" und sagte, man müsse sich davon distanzieren, in dieser Runde zu sitzen. Kerner wollte das Trauerspiel, das man wahrlich als Fernsehereignis bezeichnen kann, darauf hin beenden und sagt "Das ist der Punkt, an dem ich an Eva keine weiteren Fragen habe". Lassen kann er es dann jedoch nicht und konfrontiert sie noch einmal mit ihren Thesen. Vielleicht hatte Kerner naiv auf ein erlösendes 'Ich habe es doch nicht so gemeint' gewartet, was aber nicht kommen wollte. So machte der Gastgeber sicherlich nicht die beste Figur in dieser brisanten Sendung.
Das Gespräch mit Eva Herman verlief ohne jede Erkenntnis, Kerners weitere Gäste entsetzt vom Verlauf der Sendung und er selbst erschreckend unsouverän. Erst als nach der Kritik von Margarethe Schreinemakers an Herman und der Sendung auch Senta Berger am Ende förmlich angewidert von der Absurdität in Hermans Argumentationsgang droht, das Studio zu verlassen, bat Kerner Eva Herman höflich zu gehen. Der schon im Vorfeld der Ausstrahlung von zahlreichen Nachrichtenportalen vermeldete "Rauswurf" Hermans gestaltete sich so in Wahrheit also wesentlich harmloser und für Kerner beschämender. Von wegen "Moderator griff durch". Ob er selbst auf die Idee gekommen wäre, Herman aus dem Studio zu bitten?
ZDF-Programmdirektor: Kerner hat sich richtig verhalten
Nach der Sendung sagte Kerner laut ZDF zur Verabschiedung Hermans: "Ich hatte die Hoffnung, dass Frau Herman ihre problematischen Äußerungen im Gespräch relativieren würde. Als klar war, dass wir dabei nicht weiterkommen, habe ich das Gespräch mit ihr beendet und mit meinen anderen Gästen fortgesetzt". Programmdirektor Thomas Bellut stellt sich hinter ihn: Kerner habe sich absolut richtig verhalten. Die zu spät beendete Diskussion ließ dann allerdings nur noch wenig Zeit, so dass es einerseits erleichternd wirkte, dass nahtlos zum Mann-Frau-Geplänkel des Comedians Mario Barth, der noch eine Platte zu promoten hatte, übergegangen wurde. Andererseits blieb das Gefühl von hilflosem Herumgealbere angesichts einer völlig entglittenen Sendung. Wäre "Johannes B. Kerner" ein problematischer Fernsehfilm in der ARD gewesen - man hätte im Anschluss noch eine Expertendiskussion zum Thema gesendet, um den Zuschauer nicht gänzlich verwirrt in die Nacht zu schicken.
Quelle: DWDL.de, 10.10.2007
2007.10.09: Bild.de - Kerner schmeißt Eva Herman raus!
Was ist nur in Eva Herman (48) gefahren? Sie sieht sich selbst als Opfer. Statt Reue setzt sie auf Provokation. Dieses Mal als Gast bei Johannes B. Kerner (ZDF, heute 22.45 Uhr).
Kerner hatte sie während der Aufzeichnung zu seiner Talkshow fast 50 Minuten lang immer wieder gefragt, ob sie ihre in die Kritik geratenen Äußerungen zu den Familienwerten während der Nazi-Zeit heute so wiederholen würde.
Aber Eva Herman blieb unkonkret, wich aus.
Und dann legte sie nach: Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden.
Herman behauptete, man dürfe nicht mehr über deutsche Geschichte reden, ohne sich zu gefährden.
Die drei weiteren Gesprächspartner, Schauspielerin Senta Berger, Ex-Talkmasterin Margarethe Schreinemakers und Comedian Mario Barth, hatten zuvor Unmut über den Verlauf des Gesprächs geäußert.
Folge: Der Talkmaster schloss die umstrittene Ex-Moderatorin aus der Gesprächsrunde aus.
Kerner: „Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman."
Die Sendung soll mit dieser Szene ausgestrahlt werden.
Gegenüber BILD erklärte Johannes B. Kerner sein Vorgehen so: „Ich wollte wissen, was Eva Herman wirklich denkt. Als ich gemerkt habe, dass sie ihre missverständlichen Äußerungen nicht aufklären kann, habe ich sie freundlich verabschiedet."
Auch die anderen Gäste waren mit dem Verhalten von Eva Herman nicht einverstanden.
Margarethe Schreinemakers zu BILD: „Über den Auftritt von Eva Herman waren Senta Berger, Mario Barth und ich fassungslos. Bisher dachte ich immer, sie habe sich nur missverständlich geäußert. Das darf zwar in diesem geschichtlichen Zusammenhang nicht passieren. Aber sie hätte sich heute mit einem Satz entschuldigen können. Stattdessen hat sie noch mit weiteren Argumenten ihre Position bewahrt, die ich in keiner Weise nachvollziehen kann."
Der Historiker Professor Wolfgang Wippermann war als Experte in der Sendung. Zu BILD sagte er nach der Aufzeichnung: „Erst wollte ich Frau Herman unterstützen. Aber als sie plötzlich über Autobahnen bei Hitler sprach, war das Gejohle im Publikum groß. Dabei gerät sie mit ihrer Terminologie in eine problematische Ecke."
Eva Herman war am 9. September nach missverständlichen Äußerungen über die NS-Familienpolitik vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) gekündigt worden.
Quelle: Bild.de, 09.10.2007
2007.10.09: Spiegel.de - Kerner wirft Eva Herman aus seiner Sendung
Ausschluss vor laufender Kamera: Johannes B. Kerner hat während der Aufzeichnung seiner Talkshow die umstrittene Ex-Moderatorin Eva Herman kaltgestellt. Sie hatte sich für seinen Geschmack nicht ausreichend von ihren umstrittenen Äußerungen zu den familiären Werten der Nazis distanziert.
Fulda/Berlin/Hamburg - Kerner schloss Eva Herman nach 50 Minuten aus der Gesprächsrunde aus. Zuvor hatte der Moderator die 48-Jährige immer wieder gefragt, ob sie ihre Äußerungen zu den familiären Werten im Nationalsozialismus heute so wiederholen würde. Doch Herman wich mehrfach aus und ergänzte: Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden. Zudem sagte sie, dass man nicht mehr über deutsche Geschichte sprechen könne, ohne sich zu gefährden. Daraufhin sagte Kerner: "Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman."
Der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) sagte der Moderator: "Ich wollte wissen, was Eva Herman wirklich denkt. Als ich gemerkt habe, dass sie ihre missverständlichen Äußerungen nicht aufklären kann, habe ich sie freundlich verabschiedet."
Kerners Redaktionsleiter Markus Heidemanns sagte SPIEGEL ONLINE: "Herman war sichtlich überrascht, nach der Sendung wirkte sie aber gefasst." Die Sendung soll heute Abend um 22.45 Uhr ausgestrahlt werden.
Auch die drei weiteren Gesprächspartner von Kerner - Schauspielerin Senta Berger, Ex-Talkmasterin Margarethe Schreinemakers und der Komiker Mario Barth - waren mit dem Verhalten Hermans nicht einverstanden. "Über den Auftritt von Eva Herman waren Senta Berger, Mario Barth und ich fassungslos. Bisher dachte ich immer, sie habe sich nur missverständlich geäußert, sagte Schreinemakers der "Bild". Das dürfe zwar in diesem geschichtlichen Zusammenhang nicht passieren. Aber sie hätte sich heute mit einem Satz entschuldigen können. Stattdessen habe sie noch mit weiteren Argumenten ihre Position bewahrt, "die ich in keiner Weise nachvollziehen kann", meinte Schreinemakers.
Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich heute über Herman empört. Auslöser war ihre Rede auf dem Fuldaer Katholikenkongress, wo sie Zuspruch geerntet hatte. Das breite Lob für die wegen ihrer Äußerungen zu NS-Familienpolitik umstrittenen Ex-Moderatorin bedeute "nicht nur ein Armutszeugnis für die Teilnehmer, sondern auch eine Ohrfeige für all diejenigen, die sich über 60 Jahre in der Aufarbeitung der Nazi-Diktatur engagiert haben", sagte Dieter Graumann, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden.
Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge wurde die 48-Jährige für eine Gastrede auf dem Katholikenkongress in Fulda gefeiert. Rund 700 Besucher des "Forums Deutscher Katholiken" hätten die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin mit tosendem Applaus bedacht, nachdem diese rund 40 Minuten lang betont hatte, wie wichtig heute Werte wie Liebe, Familie und Kinder seien.
Wenn der Kongressleiter Herman nun zur "Märtyrerin im Kampf für Ehe, Familie und Kinder" mache, zeige dies, "welch seltsamer Geist in der Leitungsspitze des 'Forums Deutscher Katholiken' zu herrschen scheint", so der Zentralrat. Die Grundwerte von Ehe, Familie und Kindern seien von den Nazis nicht erfunden, sondern missbraucht worden.
"Angesichts der hässlichen Häufung von kritikwürdigen Vorfällen" erwartet der Zentralrat jetzt ein "klärendes Wort" vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann. Als kritikwürdige Vorfälle bezeichnete er unter anderem die "wirren Vergleiche des Kölner Kardinals Joachim Meisner mit entarteter Kunst, die Ausfälle während der Israel-Reise der Bischofskonferenz im Sommer sowie den jetzigen Vorfall beim Forum Deutscher Katholiken".
Kultfigur für konservative Katholiken
"Wir haben Eva Herman eingeladen, weil sie aus unserer Sicht zum Thema Erziehung der Familie das Richtige sagt", erläuterte Hubert Gindert, der Initiator und Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Kinder müssten mindestens in den ersten drei Jahren von einem Elternteil betreut werden, "und es ist nur natürlich, dass dies die Mutter ist".
Das Forum Deutscher Katholiken gilt als äußerst konservativ. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 versteht es sich als Plattform "papst- und kirchentreuer Katholiken". Der Hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel gilt seit langem als Befürworter der Organisation.
Forum-Chef Gindert ist der Ansicht, das im Sommer 2006 verabschiedete Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz bedrohe das Grundrecht der Meinungs- und Redefreiheit, da es dazu führen könnte, dass Priester und Laien künftig die Lehre der Kirche nicht mehr vertreten dürfen.
Auf der Webseite/ddp des Forums Deutscher Katholiken kann man nachlesen, was Gindert unter dieser Lehre versteht: "Abtreibung ist ein verabscheuungswürdiges Verbrechen", steht dort, homosexuelles Tun "eine schlimme Abirrung und ein schwerer Verstoß gegen Gottes Gebote". Diese Tatsachen dürfe man nun nicht mehr aussprechen, ohne sich strafbar zu machen.
Wettern gegen die Kritiker
Während ihrer Rede beklagte sich Herman laut "Bild"-Zeitung erneut über die öffentliche Schelte, die sie für ihre Thesen einstecken musste. "Letztes Jahr hatte ich bereits ordentlich öffentlichen Gegenwind bekommen für diese Thesen, persönliche Beleidigungen waren keine Seltenheit. Alles, was nach Familie, nach Glück mit Ehepartnern und mit Kindern, nach dem Weiblichen, dem Männlichen und dem Muttersein klingt, wird in unserem Land leider auffallend schnell mit Nazi-Parolen in Zusammenhang gebracht."
Gindert teilt diese Ansicht: "Frau Herman hat sich ganz klar vom Nationalsozialismus distanziert. Wir würden sie deswegen zum Thema Familie und Erziehung jederzeit wieder einladen."
Gindert unterstellt Rhiel "Einknicken"
Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es Ärger über den Auftritt Hermans gegeben: Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) trat als Schirmherr des Forums zurück, um gegen die Rede der Moderatorin zu protestieren. Über die genauen Gründe seiner Absage wollte sich das Hessische Wirtschaftsministerium auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern.
Gindert hatte mit Rhiel nach eigenen Angaben keinen Kontakt. Die Anfrage, Eva Herman auszuladen, sei am Vormittag vor der Konferenz in Fulda gekommen. Als sich das Forum weigerte, dieser Aufforderung folge zu leisten, sei eine Stunde später die Absage des Ministers gekommen. "Ich finde es traurig, dass Politiker auf Mediendruck so schnell in die Knie gehen", sagte Gindert. "Ich frage mich: Wie können wir uns auf solche Politiker verlassen, wenn Deutschland einmal wirklich in eine Krise gerät." Ein Sprecher Rhiels wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.
Einen Monat ist es her, da hatte der NDR entschieden: Eva Herman, 48, ist für uns nicht länger tragbar. Der Sender beendete die Zusammenarbeit mit der Moderatorin, weil diese sich bei der Vorstellung ihres neuen Buches im Ton vergriffen haben soll. Sie soll sich lobend über familiäre Werte und die Familienpolitik im Nationalsozialismus geäußert haben, wurde berichtet. Herman bestreitet dies, sie fühlt sich falsch zitiert und missverstanden
Zentralrats-Vizepräsident Graumann erklärte, der NDR habe sich "völlig zu Recht" von Herman getrennt, nicht etwa weil sie die Grundwerte von Ehe, Familie und Kindern propagierte, sondern weil sie den Ursprung dieser Werte in direkten Zusammenhang mit nationalsozialistischer Familienideologie brachte und diese damit teilweise verherrlichte.
ler/ssu/phw/tdo/dpa/AFP/ddp
Quelle: Spiegel.de, 09.10.2007
2007.10.09: julia-seeliger.de - Kerner: Eva Herman fliegt raus
9. Oktober 2007
Eben in der BILD gefunden: Eva Herman hat bei "Kerner" ihre Äußerungen verteidigt und sogar mit Hitlers "Autobahnen" angefangen. Das Ganze ist eine Aufzeichnung, sie läuft im ZDF und startet heute (9.Oktober) abend um 22:45 Uhr.
Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden.
Schließlich bittet Kerner sie - auf Intervention von Senta Berger hin - bei laufender Kamera aus der Sendung. Bis zum Eklat dauert es laut SPIEGEL ONLINE vom Beginn der Sendung (22:45 Uhr) ca. 50 Minuten, jetzt noch einschalten lohnt sich also. Das moderiert BILD schön an:
Was ist nur in Eva Herman (48) gefahren? Sie sieht sich selbst als Opfer. Statt Reue setzt sie auf Provokation. Dieses Mal als Gast bei Johannes B. Kerner (ZDF, heute 22.45 Uhr).
Ich muss jetzt aber ins Bett, morgen heisst es viertel vor fünf aufstehen und nach Mainz fahren.
Update: Hab es jetzt doch gekuckt - Danke vor allem an die qualifizierten, emanzipierten Kommentare von Senta Berger und Margarethe Schreinemakers.
Zu Eva Herman hatte ich eine Presseerklärung heraus gegeben und das ganze vor und nach dem Rauswurf in meinem Blog begleitet.
Quelle: julia-seeliger.de, 09.10.2007
2007.09.09: julia-seeliger.de - Eva Herman ist nicht mehr tragbar - Der NDR muss endlich handeln!
9. September 2007
Sonntag morgen um halb zehn hatte ich noch eine Presseerklärung zum Thema herausgegeben - jetzt ist es amtlich: Der NDR hat Eva Herman gefeuert. SPIEGEL ONLINE berichtet und zitiert Volker Herres, der Fernsehprogrammdirektor des NDR:
"Frau Herman steht es frei, ihren ‘Mutterkreuzzug' fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht länger zu vereinbaren", erklärte Herres. Ihre Äußerungen wirkten polarisiernd. "Das Ergebnis spürt unsere Redaktion: Gäste sagen ihren Auftritt bei ‘Herman und Tietjen' ab oder stehen von vornherein nicht zur Verfügung."
Die WELT zitiert meine Presseerklärung:
Die Grünen-Politikerin Julia Seeliger sagte: "Wer wie Eva Hermann derart penetrant die Bevölkerungspolitik der Nazis lobt, ist als Mitarbeiterin eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht länger tragbar." Schon die in ihrem vorigen Buch "Das Eva-Prinzip" vertretenen Thesen könnten nur in eine Ecke mit der Nazi-Bevölkerungspolitik gestellt werden, so Seeliger.
Auch im TAGESSPIEGEL erschien ein Zitatfragment:
Wer derart penetrant die Bevölkerungspolitik der Nazis lobe, sei als Mitarbeiterin eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht länger tragbar, empörte sich nicht nur Julia Seeliger, Frauen- und geschlechterpolitische Sprecherin im Landesvorstand B90/Grüne Berlin.
PRESSEMITTEILUNG - JULIA SEELIGER
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Datum: 09.09.07
Thema: Eva Herman, Emanzipation
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Eva Herman ist nicht mehr tragbar
Der NDR muss endlich handeln!
Anlässlich der jüngsten Äußerungen Eva Hermans, die im Hamburger Abendblatt zu lesen waren, fordert Julia Seeliger aus dem Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen:
"Jetzt reicht's! Herman hat abermals einen raufgelegt: Im Hamburger Abendblatt wurde sie mit der Bemerkung zitiert, ‘im Dritten Reich sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter.'
Wie lange lässt sich der NDR derartige Ausfälle noch bieten? Wer wie Eva Herman derart penetrant die Bevölkerungspolitik der Nazis lobt, ist als Mitarbeiterin eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht länger tragbar. Nun muss der NDR auch die Konsequenzen ziehen und Eva Herman endlich feuern!
Schon die in ihrem vorigen Buch "Das Eva-Prinzip" vertretenen Thesen können nur in eine Ecke mit der Nazi-Bevölkerungspolitik gestellt werden. In der Tagesschau ist Herman seitdem richtigerweise nicht mehr zu sehen.
Doch der NDR, wo Herman ebenfalls beschäftigt ist, scheint sich noch zu zieren. Warum eigentlich, die Sache ist doch klar: Hätte Herman Hitler gelobt, weil er so schöne Autobahnen baute, gäbe es keine lange Debatte mehr."
Quelle: julia-seeliger.de, 09.09.2007
2007.09.08: julia-seeliger.de - Eva “Braun” Herman … reicht’s nicht langsam?
8. September 2007
Wie lange lässt sich der NDR noch eine solche Mitarbeiterin bieten? Bei der Vorstellung ihres neuen Buches hat Eva Herman mal wieder ihre Nähe zur Ideologie der Nationalsozialisten klar gemacht.
Herman macht es aufgeklärten Menschen ja schon nicht leicht. Erleiden mussten wir ja schon die antimodernen Ideen aus ihrem letzten Buch "Das Eva-Prinzip": Eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen und moderne Familienbilder sind mit Eva Herman nicht zu machen. Der RNF (NPD-Frauenorganisation) klatschte übrigens damals Beifall.
Jetzt aber, bei der Vorstellung ihres neuen Buches "Das Prinzip Arche Noah" ließ sie dann noch folgende Gedanken ab (Hamburger Abendblatt):
In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat.
Jaja, und Autobahnen, nicht wahr, Eva, die hat "der Führer" doch auch so schön gebaut. War doch wirklich nicht alles schlecht ...
Quelle: julia-seeliger.de, 08.09.2007
2008 - Eine Beinahe-Entschuldigung mit neuen Lügen
Das Jahr 2008 beginnt mit einer Fast-Entschuldigung von Johannes B. Kerner während eines Interviews mit der Süddeutschen Zeitung, bei dem er einräumt, einen Fehler gemacht zu haben. Allerdings scheint der Moderator an Gedächtnisstörungen zu leiden, behauptet er doch, Eva Herman habe von sich aus die Sendung verlassen und sein Fehler sei es gewesen, dass er dies nicht verhindert habe. Wahrscheinlich rechnet er aber nur mit dem kurzen Gedächtnis der Zuschauer und mit dem copy'n'paste-Journalismus der Medien.
2007 - Die mediale Hinrichtung wird vollzogen
Vermutlich wäre die in 2006 beginnende Hetze eingeschlafen, wenngleich es sich Désirée Nick nicht entgehen lassen konnte, ihr Buch "Eva go home" herauszugeben. Wiederaufkochen einer medienträchtigen Debatte steigert die verkaufte Auflage eines Buches. Doch selbst wenn wir Désirée Nick lediglich Meinungsdifferenz zugestehen wollen, so ist ihre Argumentation völlig haltlos. In einem Interview von europolitan.de vom 19.01.2007 sagte sie zu Eva Hermans Buch "Das Eva-Prinzip": „Das ist kein Buch, das ist eine Kette von Falschmeldungen," so Nicks Resultat, nachdem sie die Thesen der Herman zusammengefasst und widerlegt hat."
Es ist schon beeindruckend, wie überzeugt so manche - wie auch Désirée Nick - davon sind, dass ihre Realität und ihre Wahrnehmung der Realität die einzig wahre bzw. die einzig richtige sei. Von einer Falschmeldung zu sprechen, nur weil sich Nicks Erfahrungen nicht mit denen anderer decken, zeugt nicht von einem Charakter, der sich seiner selbst sicher ist und es daher nicht nötig hat, sich via Richtig- und Falsch-Etikettierungen besser, oder richtiger zu fühlen.
Auch diese Aussage lässt jeden mit auch nur halbwegs klarem Menschenverstand ungläubig "Hä?" denken: "Schließlich sei die Herman sowieso bloß eine „Hobbysoziologin" und dazu solle sie sich auch bekennen. „Ich gehe ja auch nicht in eine Kfz-Werkstatt und schleiche um ein Auto herum und mache Vorschläge zur Reparatur." Eine „Missionarin der Mütterlichkeit", eine „Kalenderblattphilosophin" sei Eva Herman."
Wie dumm ist das denn? Erstens hinkt der Vergleich. Persönliche Bedürfnisse und Wünsche dürfen sich zu Nicks Leidwesen NOCH immer von denen anderer unterscheiden und sind nicht mit der Reparaturanleitung eines Fahrzeugs zu vergleichen. Und, die Frage sei erlaubt: darf nur der sich äußern, der eine entsprechende Profession vorzulegen hat? Warum schweigt Nick dann nicht? Sie hat Theologie studiert, irgendwelche soziologischen Sonderkenntnisse sind mir in ihrem Lebenslauf nicht aufgefallen. (zur Quelle der oben aufgeführten Zitate)
Ansonsten blieb es einigermaßen ruhig im Medienwald, bis alle Wächter der Meinungshoheit und Meinungseinseitigkeit aufschreckten, als Eva Herman ihr Buch "Das Prinzip Arche Noah" ankündigte. Es ist nicht auszuschließen, dass die Empörung noch größer war als bereits 2006, denn wie konnte Eva Herman es wagen nach ersten Nazi-Etikettierungen nicht endlich die Klappe zu halten? Es war als hätte man regelrecht auf den finalen Abschuss gewartet, den Barbara Möller vom Hamburger Abendblatt am 07.09.2007 der Meinungsmacht endlich lieferte: "In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat. Kurz danach war diese Buchvorstellung Gott sei Dank zu Ende."
Frau Möller hat hier nachweislich ihre im Pressekodex definierte Sorgfaltspflicht verletzt und sich nicht vergewissert, ob sie sich richtig und vollständig erinnert. Sie wundert sich selbst in einem Video des NDR, das mir gespeichert vorliegt (bitte schicken Sie mir einen Link-Hinweis falls ich es nur nicht wiederfinde auf den Seiten des NDR), sagt Barbara Möller "Es waren sehr viele Kollegen da, es war doch dokumentiert (gemeint ist der verkürzte Videoauszug von RTL), dass ich es dann nur im Hamburger Abendblatt fand, kann ich nicht erklären." In diesem Video nennt Reinhard Urschel, Berlin-Korrespondent der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, gut etwa drei bis vier Dutzend anwesende Journalisten auf der Pressekonferenz mit Eva Herman. Was im Hamburger Abendblatt zitiert wurde, kommentiert er wie folgt "Das ist ehrlich gasagt an mir und an offenbar vielen anderen einfach so vorbeigerauscht."
Wer's glaubt wird selig! Weit mehr als eine Journalistin wären aufgeschreckt. Es hätte am nächsten Tag in jeder Zeitung gestanden, wenn Eva Herman nicht zuvor gesagt hätte "Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten – es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle – aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…." Weil die anderen richtig zugehört haben, stand auch nicht nur die Hälfte Eva Hermans Zitats in den anderen Zeitungen!
2006 - Die Pressestimmen steigern sich von Konservatismus zu Nationalsozialismus
Einem Interview von Eva Herman in Cicero im April 2006 unter dem Titel "Die Emanzipation - ein Irrtum?" folgen erste Pressestimmen, die bis Mai 2006 in der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel noch von konservativen bzw. neokonservativen Thesen Eva Hermans sprechen. Nach bisheriger Recherche tritt erst in einem Interview mit Alice Schwarzer im Spiegel im Mai 2006 die Trendwende dahingehend ein, Eva Hermans Thesen als nationionalsozialistisches Gedankengut zu bezeichnen.
SPIEGEL: Wie etwa "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman, die in einem Artikel das Ideal der Hausfrau beschwört und die Emanzipation für die Kinderlosigkeit verantwortlich macht.
Schwarzer: Mal abgesehen von dem Niveau dieser Suada zwischen Mutterkreuz und Steinzeitkeule - da ist sogar etwas dran. Die Frauen in Deutschland sind in einem stillen Gebärstreik, weil sie nicht mehr um jeden Preis Mutter werden müssen. Die meisten wollen Kinder, aber sie wollen auch einen Beruf. Und vor allem: Sie wollen Unterstützung von den Vätern und vom Staat.
SPIEGEL: Ihnen bereitet es also keine Sorgen, dass in Deutschland so wenig Kinder geboren werden?
Schwarzer: Ehrlich gesagt: nicht die Bohne. Wir müssen doch im Jahr 2006 dem Führer kein Kind mehr schenken.
Im September berichtet "Die Zeit" von einem Newsletter der Zeitschrift "Emma" an ihre Leserinnen "Wenn eine oder einer so etwas über Schwarze schreiben würde, würde mensch noch am selben Tag gefeuert. Wir dürfen gespannt sein, welche Konsequenzen die sexistischen Sprüche von Tagesschau- Sprecherin Herman haben werden."
Darunter standen die E-Mail-Adresse und die Faxnummer des NDR-Chefredakteurs. Dieser Artikel bestätigt, was die BILD bereits im August mutmaßte "Kippten Feministinnen sie aus der Tagesschau?". Darin heißt es "Frauenverbände protestierten empört bei der „Tagesschau"-Redaktion, forderten die Absetzung von Eva Herman. Es entbrannte ein Riesenkrach mit Feministinnen, die Eva Herman in einem offenen Brief angriffen."
Bis November 2006 überwiegt jedoch Häme oder heftige Kritik am Eva-Prinzip. Dann aber stellt der Artikel von Thea Dorn bereits durch seinen Titel "Das Eva-braun-Prinzip" (Artikel steht nicht mehr auf Thea Dorns Website, ursprüngliche URL: http://www.theadorn.de/site/texconBraun.htm) die vermeintliche Verbindung zum Nationalsozialismus wieder her. Und sie schreibt:
"Bei jeder antisemitischen oder ausländerfeindliche Verbalattacke rufen alle: "Wehret den Anfängen!" Wieso ruft dies niemand bei den publizistisch-sexistischen Amokläufen dieser Tage? Weil wir Sexismus - im Gegensatz zu Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus - für Folklore halten? Die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt einmal mehr: Sexismus ist keine Einstellung, die mit Rechtsextremismus zufällig einhergeht wie meinetwegen Vegetarismus. Sexismus ist ein ebenso treuer Begleiter des Totalitären wie Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Ist das Hirn erst einmal mit biologistischen Geschlechterstereotypen zutapeziert, sinkt die Scheu, den Rassegedanken einziehen zu lassen. "Emanzipation der Frau von der Frauenemanzipation ist die erste Forderung einer weiblichen Generation, die Volk und Rasse, das Ewig-Unbewusste, die Grundlage aller Kultur vor dem Untergang retten möchte." Was glauben Sie? Von wem stammt dieses Zitat? Nein. Auch nicht. Nein. Es findet sich im "Mythus des 20. Jahrhunderts", dem zentralen Werk von Alfred Rosenberg. Er war der Chefideologe der Nazis. Bei den Nürnberger Prozessen wurde er zum Tode verurteilt. "Na toll", werden Sie sagen, "genau so klingt es ja auch." Aber wie klingt der folgende Satz: "Ist es Zeit, die wahre Bestimmung der Weiblichkeit zu erkennen und in unserer Gesellschaft zu installieren, um uns zu retten?" Klingt er nicht verdammt ähnlich? Er findet sich im "Eva-Prinzip". "Jetzt mal halb lang", werden Sie einwerfen. "Eva ist vielleicht ein bisschen dämlich. Aber doch nicht braun." Das ist sie natürlich nicht. Sie schreibt bloß Sätze wie: "Wenn wir das Feld solchen Aufwieglerinnen [gemeint sind Feministinnen, Anm. TD] überlassen, finden wir niemals einen Weg zurück zum selbstverständlichen Muttersein ... Mit der unreflektierten und gehorsamen Gefolgschaft dieser feministischen Äußerungen erlauben wir vereinzelten, mit schwarzen Kutten getarnten Scharfmacherinnen, auf unsere persönlichen Geschicke Einfluss zu nehmen und uns in unser Verderben zu führen ... Hetzen nicht gerade wir Frauen unter großem Druck diffusen Vorstellungen hinterher?" Die gehetzte Frau trieb allerdings auch schon Rosenberg um: "Die "amazonenhafte" Emanzipierte ist daran schuld, dass die Frau die Hochachtung vor ihrem eigenen Wesen zu verlieren begann und die Werte des Mannes zu den ihrigen machte. Dies bedeutete eine seelische Störung, ein Ummagnetisieren der weiblichen Natur, die denn auch heute irrlichternd dahinlebt."
Nun wissen wir auch, woher Johannes B. Kerner des Rosenberg-Zitat hatte, dass er am 9.10.2007 von einem seiner vielen Zettel ablas, oder glaubt wirklich jemand JBK habe selbst recherchiert?
Fortsetzung: 2007 - Die mediale Hinrichtung wird vollzogen
