Die Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens
Liebe Leser,
Zufall oder nicht: In diesen herbstlichen Tagen und Wochen häufen sich Ereignisse, die den äußerst bedenklichen Zustand unserer öffentlich-rechtlichen Sender deutlich zu Tage treten lassen.
Der Eklat um Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreis war eine schallende Ohrfeige für die versammelten Intendanten der deutschen TV-Sender, die diesen Preis ja durch ihr ganz persönliches Votum dem greisen Kritikerpapst für sein Lebenswerk zuerkennen wollten. Reich-Ranicki lehnte ab, weil er wohl gerade noch rechtzeitig erkannte, dass diese Preisverleihung die Verleiher mehr adeln würde als ihn selber...
Weitaus bemerkenswerter war jedoch die nachfolgende Reaktion von Elke Heidenreich. Erstmals bekannte mit ihr eine prominente Insiderin des ÖR-Fernsehens öffentlich: „Ich schäme mich, für solch einen Sender zu arbeiten.“ Es war wohl nur Kulminationspunkt eines lange währenden Prozesses der Selbstverleugnung und man darf wohl zurecht vermuten, dass Heidenreich bei ARD und ZDF kein Einzelfall ist.
In der Vorwoche haben die Ministerpräsidenten der Länder die neuen Regeln für die Internet-Angebote von ARD und ZDF abgesegnet. MQV hatte im Mai in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Rundfunkkommission, Kurt Beck protestiert (http://www.medienquovadis.de/node/704). Auch wenn Privat-TV und Verleger sich mit ihren Maximalforderungen nicht durchsetzen konnten, wird das ÖR-Internetangebot in Zukunft drastisch eingeschränkt. So dürfen Sendungen in den Mediatheken nur noch 7 Tage abrufbar bleiben.
Am 1. November tritt nun Volker Herres sein neues Amt als Programmdirektor der ARD an. In seinem vorherigen Job beim NDR war er u.a. maßgeblich an der skandalösen Entlassung von Eva Herman als Tagesschausprecherin und Moderatorin beteiligt. Herres und der NDR mussten sich erst jüngst vom Landesarbeitsgericht bescheinigen lassen, dass sie die Kündigung mit gefälschten Pressezitaten begründet hatten (http://www.medienquovadis.de/node/855). Herres´ Einlassungen zu seinem neuen Wirkungsbereich lassen leider befürchten, dass die Quote in Zukunft bei der ARD noch mehr regieren wird: Mehr Pilawa, weniger Plasberg.
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