2006 - Die Pressestimmen steigern sich von Konservatismus zu Nationalsozialismus
Einem Interview von Eva Herman in Cicero im April 2006 unter dem Titel "Die Emanzipation - ein Irrtum?" folgen erste Pressestimmen, die bis Mai 2006 in der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel noch von konservativen bzw. neokonservativen Thesen Eva Hermans sprechen. Nach bisheriger Recherche tritt erst in einem Interview mit Alice Schwarzer im Spiegel im Mai 2006 die Trendwende dahingehend ein, Eva Hermans Thesen als nationionalsozialistisches Gedankengut zu bezeichnen.
SPIEGEL: Wie etwa "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman, die in einem Artikel das Ideal der Hausfrau beschwört und die Emanzipation für die Kinderlosigkeit verantwortlich macht.
Schwarzer: Mal abgesehen von dem Niveau dieser Suada zwischen Mutterkreuz und Steinzeitkeule - da ist sogar etwas dran. Die Frauen in Deutschland sind in einem stillen Gebärstreik, weil sie nicht mehr um jeden Preis Mutter werden müssen. Die meisten wollen Kinder, aber sie wollen auch einen Beruf. Und vor allem: Sie wollen Unterstützung von den Vätern und vom Staat.
SPIEGEL: Ihnen bereitet es also keine Sorgen, dass in Deutschland so wenig Kinder geboren werden?
Schwarzer: Ehrlich gesagt: nicht die Bohne. Wir müssen doch im Jahr 2006 dem Führer kein Kind mehr schenken.
Im September berichtet "Die Zeit" von einem Newsletter der Zeitschrift "Emma" an ihre Leserinnen "Wenn eine oder einer so etwas über Schwarze schreiben würde, würde mensch noch am selben Tag gefeuert. Wir dürfen gespannt sein, welche Konsequenzen die sexistischen Sprüche von Tagesschau- Sprecherin Herman haben werden."
Darunter standen die E-Mail-Adresse und die Faxnummer des NDR-Chefredakteurs. Dieser Artikel bestätigt, was die BILD bereits im August mutmaßte "Kippten Feministinnen sie aus der Tagesschau?". Darin heißt es "Frauenverbände protestierten empört bei der „Tagesschau"-Redaktion, forderten die Absetzung von Eva Herman. Es entbrannte ein Riesenkrach mit Feministinnen, die Eva Herman in einem offenen Brief angriffen."
Bis November 2006 überwiegt jedoch Häme oder heftige Kritik am Eva-Prinzip. Dann aber stellt der Artikel von Thea Dorn bereits durch seinen Titel "Das Eva-braun-Prinzip" (Artikel steht nicht mehr auf Thea Dorns Website, ursprüngliche URL: http://www.theadorn.de/site/texconBraun.htm) die vermeintliche Verbindung zum Nationalsozialismus wieder her. Und sie schreibt:
"Bei jeder antisemitischen oder ausländerfeindliche Verbalattacke rufen alle: "Wehret den Anfängen!" Wieso ruft dies niemand bei den publizistisch-sexistischen Amokläufen dieser Tage? Weil wir Sexismus - im Gegensatz zu Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus - für Folklore halten? Die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt einmal mehr: Sexismus ist keine Einstellung, die mit Rechtsextremismus zufällig einhergeht wie meinetwegen Vegetarismus. Sexismus ist ein ebenso treuer Begleiter des Totalitären wie Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Ist das Hirn erst einmal mit biologistischen Geschlechterstereotypen zutapeziert, sinkt die Scheu, den Rassegedanken einziehen zu lassen. "Emanzipation der Frau von der Frauenemanzipation ist die erste Forderung einer weiblichen Generation, die Volk und Rasse, das Ewig-Unbewusste, die Grundlage aller Kultur vor dem Untergang retten möchte." Was glauben Sie? Von wem stammt dieses Zitat? Nein. Auch nicht. Nein. Es findet sich im "Mythus des 20. Jahrhunderts", dem zentralen Werk von Alfred Rosenberg. Er war der Chefideologe der Nazis. Bei den Nürnberger Prozessen wurde er zum Tode verurteilt. "Na toll", werden Sie sagen, "genau so klingt es ja auch." Aber wie klingt der folgende Satz: "Ist es Zeit, die wahre Bestimmung der Weiblichkeit zu erkennen und in unserer Gesellschaft zu installieren, um uns zu retten?" Klingt er nicht verdammt ähnlich? Er findet sich im "Eva-Prinzip". "Jetzt mal halb lang", werden Sie einwerfen. "Eva ist vielleicht ein bisschen dämlich. Aber doch nicht braun." Das ist sie natürlich nicht. Sie schreibt bloß Sätze wie: "Wenn wir das Feld solchen Aufwieglerinnen [gemeint sind Feministinnen, Anm. TD] überlassen, finden wir niemals einen Weg zurück zum selbstverständlichen Muttersein ... Mit der unreflektierten und gehorsamen Gefolgschaft dieser feministischen Äußerungen erlauben wir vereinzelten, mit schwarzen Kutten getarnten Scharfmacherinnen, auf unsere persönlichen Geschicke Einfluss zu nehmen und uns in unser Verderben zu führen ... Hetzen nicht gerade wir Frauen unter großem Druck diffusen Vorstellungen hinterher?" Die gehetzte Frau trieb allerdings auch schon Rosenberg um: "Die "amazonenhafte" Emanzipierte ist daran schuld, dass die Frau die Hochachtung vor ihrem eigenen Wesen zu verlieren begann und die Werte des Mannes zu den ihrigen machte. Dies bedeutete eine seelische Störung, ein Ummagnetisieren der weiblichen Natur, die denn auch heute irrlichternd dahinlebt."
Nun wissen wir auch, woher Johannes B. Kerner des Rosenberg-Zitat hatte, dass er am 9.10.2007 von einem seiner vielen Zettel ablas, oder glaubt wirklich jemand JBK habe selbst recherchiert?
Fortsetzung: 2007 - Die mediale Hinrichtung wird vollzogen
