Ideologisch zusammengebaute Wirklichkeit

Der folgende Artikel in der taz vom 05.11.2007 legt ein weiteres Zeugnis darüber ab, wie sogenannte Experten selbst die Verschwörungstheorien hegen und pflegen, die sie selbst kritisieren. Hier sind nur die typischen Passagen (kursiv gesetzt) aufgeführt, den gesamten Artikel finden Sie hier.

Unser Blogwart und Verschwörungstheoretiker Mathias Broeckers wurde gerade in dieser Doppelfunktion in dem wunderbaren Buch von Eva Horn “Der geheime Krieg - Verrat, Spionage und moderne Fiktion” gewürdigt. In dem ebenso neuen aber völlig bescheuerten Buch “Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute” von Wolfgang Wippermann wird er jedoch in seiner vermeintlichen Doppelfunktion als Satanist und Antisemit schwer angegriffen.

Ja, in der Disziplin "Wer sagt als erster 'Antisemit'?" belegt Wippermann unbestritten eine Spitzenposition. Was ich persönlich davon halte? Aus meiner Sicht haben Diffamierung nur die Personen nötig, denen es an sachlichen und belegbaren Argumenten mangelt. Wer sich näher mit Wippermann befasst, findet die nachfolgenden Ausführungen bestätigt.

Stichwort 11.September. In einem Kapitel zu den »Verschwörungsideologien über den 11.September« werkelt Wippermann einen Bezug zwischen den Personen, die Zweifel an der offiziellen Darstellung der Ereignissen von 9/11 zum Ausdruck bringen, und einer antijüdischen Grundhaltung zusammen. Auf diese Weise soll eine weitere Kernthese seines Buches gestützt werden, die da lautet: »Das Urbild von der ›jüdischen Verschwörung‹ läßt sich von den Schriften Martin Luthers bis hin zu heutigen Verschwörungstheorien nachverfolgen…« In Einzelfällen läßt sich Wippermann, was diesen Bezug angeht, zwar zustimmen, doch gerade seine Interpretationen bestimmter Äußerungen von bekannten 9/11-Skeptikern, die er in seinem Buch aufgreift und aus ihnen Antisemitismus ablesen will, lassen eher auf eine fragwürdige Interpretationsmethode schließen, die dem Buch zugrunde liegt.

Es ist nur konsequent, daß eine Frage wie »cui bono?«, also »wem nützt es?«, die Wippermannn immer wieder in seinem Buch erwähnt und negativ als »verschwörungsideologisch« besetzt sehen möchte, unter diesem Vorzeichen zu einem Tabu wird. So wird Wissenschaft quadratisch, praktisch, einfach, nämlich als Kataster für verbotene Wörter wie Autobahn, Führerschein, Eva Herman und Verschwörungen.

Bei Wippermann ist das anders. Wippermann nutzt seinen akademischen Titel, um billige Agitation zu betreiben. Beispiel: Das “APO-Archiv” an der FU ist ihm eine “private Flugblattsammlung” Siegward Lönnendonkers. Lönnendonker ist nicht nur der Verantwortliche für das APO-Archiv, sondern arbeitet auch in o. g. Forschungsgruppe mit. Weil Wippermann seinem politischen Gegner an der FU die Wissenschaftlichkeit streitig machen will, muß er gleichzeitig das bedeutendste Archiv der 68iger Revolte in Berlin zu einer “privaten Flugblattsammlung” degradieren. Überhaupt 68. Mit diesem Jahr hat er nichts am Hut. Seine universitären Gegner berufen sich teilweise eben auf die Bewegung dieser für die Nachkriegszeit so bedeutsamen Epoche. Da er diese Gegner heute für rechts hält, kann 68 auch nicht links gewesen sein. Die 68iger Bewegung insgesamt kann für ihn schon deshalb nicht links gewesen sein, weil der Kern der damaligen Revolteure seinerzeit heftige Kritik an der SU, der DDR, der KPdSU, der SED/SEW/DKP, also am kommunistisch-sozialistischen Lager geübt hatte. Denn, so weiß der Professor heute, wer dies tut, “relativiert Auschwitz”.

Wippermann bestreitet, daß die DDR totalitär war, “links” sei sie gewesen. Eine Totalitarismustheorie “von links” habe es seiner Meinung nach nie gegeben. “Linke” könnten so etwas nicht vertreten. Damit macht er Anarchisten, Rätekommunisten und viele andere Sozialisten bzw. Sozialdemokraten zu “Nicht-Linken”.

Heute verfolgt die Linke im Gegensatz zu 68 wieder bzw. immer noch eine Politik des Ausschlusses.  Sie wird dabei immer unattraktiver. Diese Negativ-Politik hat selbst die SPD erfaßt. Als Oskar Lafontaine sein Buch “Das Herz schlägt links” herausbrachte, wollten ihn viele seiner Genossen am liebsten aus der Partei ausschließen. In der linksradikalen Szene wird ständig Jagd auf Abweichler gemacht. So kann es beispielsweise dazu kommen, daß Leute eine “Vokü” nicht mehr betreten dürfen, weil sie Redakteure einer mißliebigen Zeitschrift sind. Ein Typ wurde während einer Fete von zwei Frauen aus dem Ex rausgeschmissen, weil er zu Hause Pornobilder “archivierte”, ein Besucher des Mehringhof-Theaters wurde krankenhausreif geschlagen, weil er ortsunkundig seine Nase in die falsche Versammlung steckte usw. usf.  

Es stellt sich auch hier die Frage, warum machen die das? Offensichtlich sind sie verängstigt und haben weder Vertrauen zu sich selbst noch in die Zukunft. Die gegenwärtigen Verhältnisse sind ihnen ein Greuel und alternative Visionen von einer besseren Welt sind ihnen abhanden gekommen. Hierin gleichen sie den hirnlosen Rechten, deren Politik ohnehin eine Politik des Ausschlusses ist.  

Quelle: taz.de 05.11.2007

An dieser Stelle darf der Hinweis auf eine Podiumsdiskussion geführt im Sommer 1998 zum "Schwarzbuch des Kommunismus" nicht fehlen. Extremisten linker wie rechter Couleur weisen eine Übereinstimmung aut: andere Meinungen stören, übertönen, möglichst alles tun, damit sie nicht laut werden und überhaupt zur Debatte stehen können ... am liebsten verbieten. Der rechte wie der linke Rand zeichnet sich durch massive Bestrebungen aus Meinung zu diktieren.

Im Zusammenhang mit Wippermanns neuem Buch "Autobahn zum Mutterkreuz" stimmt der Artikel der Jungen Freiheit vom 26.06.1998 und der Artikel von "Kontraste" nachdenklich darüber, wie die Wissenschaftlichkeit des Autors zu bewerten ist.