2007.01.30: ARD.de - Désirée Nick contra Eva Herman
Kampfansage an das "Eva-Prinzip"
von Alice Lanzke
Désirée Nick, Deutschlands bekannteste Lästerzunge, hat mit "Eva go home" eine bissige Abrechnung der umstrittenen Thesen von Eva Herman geschrieben. Das Ergebnis ist eine leidlich witzige Streitschrift.
Es ist gerade einmal vier Monate her, dass die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman mit ihrem Buch "Das Eva-Prinzip" eine heftige Diskussion entfachte: Herman hatte darin die umstrittene These aufgestellt, die Emanzipation sei für den Kindermangel in Deutschland verantwortlich. Nun hat die Kabarettistin Désirée Nick, selbst Mutter eines Sohnes, eine Replik veröffentlicht. Unter dem Titel "Eva go home" setzt sie sich gewohnt bissig mit Hermans Ansichten auseinander.
Krampfhaft witzige Schreibe
Kampfansage an Eva Herman.Dass Désirée Nick eine scharfe Zunge hat, ist allgemein bekannt - im Klappentext von "Eva go home" schreibt ihr Verlag selbst, sie gehöre "zum Feinsten und Gemeinsten, was deutsche Bühnen und Bildschirme zu bieten haben". Nick polarisiert, auch mit ihrer Kampfansage an Eva Herman. Denn so wichtig eine Entgegnung der abstrusen und weltfremden Thesen Hermans ist - musste sie ausgerechnet von Désirée Nick kommen? Obwohl Nick den Bestseller ihrer Autorenkollegin offensichtlich gründlich gelesen hat und ihre Gegenargumente ebenso intensiv durch seriöse Statistiken belegt, zündet ihr Werk nicht. Das Problem: die krampfhaft witzige Schreibe.
Geringschätzung durch Verniedlichung
Da wird Eva Herman in einem fort als "Hasilein", "Armes Hascherl" und "Dummerlein" bezeichnet - das mag ein paar Mal ganz witzig sein, auf über 170 Seiten nervt es einfach nur noch. Und das umso mehr, als Désirée Nicks Wut auf Hermans Thesen durchaus verständlich ist. Diese hatte im "Eva-Prinzip" Alleinerziehenden unterstellt, dem täglichen Druck kaum standhalten zu können. Nick, alleinerziehende Mutter eines Sohnes, hätte dem ihre fundierten Erfahrungen entgegen setzen können. Stattdessen setzt sie auf Geringschätzung durch Verniedlichung.
Armes Hascherl, die Welt ist nicht so, wie du sie gerne hättest, und auch mit der Apfelkuchentheorie wird sich daran nichts ändern. Du kommst mir vor wie ein Kind, das sich die Hände vors Gesicht hält und dann glaubt, es sei für die Welt unsichtbar: Denn das, was du innerhalb deines Tellerrands als wahr erkennst, willst du auf den Rest der Menschheit übertragen!
Aus: "Eva go home" vom Désirée Nick
Dieses Problem zieht sich durch das ganze Buch: Wann immer einem beim Lesen der Gedanke kommt "Hier hat sie Recht", macht der krampfig witzige und ach so schlagfertige Ton das Zustimmen im Geiste schwer. Und das ist schade.
Denn Nick hat sich die Mühe gemacht, die schlimmsten Aussagen aus Hermans Machwerk zu destillieren, in Thesen zusammenzufassen und fundiert der Reihe nach zu widerlegen - wie etwa Eva Hermans Bemühung der Biologie zur Rechtfertigung gesellschaftlicher Unterschiede. So schreibt Herman, "dass wir biologisch gesehen eine andere Rolle als Männer haben" (S.28) und belegt dies durch das unterschiedliche Aussehen von Mann und Frau: "Der Mann ist infolge seiner genetischen Voraussetzungen stärker und größer als die Frau, kann aber keine Kinder bekommen." (S.91) Akzeptiere man die natürlichen Unterschiede nicht, so Herman, "kommt es zu typischen Fehlentwicklungen, auf persönlicher wie auf gesellschaftlicher Ebene". (S.61) Schon Schriftstellerin Thea Dorn fühlte sich durch solche Thesen an die Nazi-Ideologie erinnert. Ähnlich kritisiert auch Nick:
Der Herman'sche Biologieunterricht führt direkt zurück zu einer Rassenlehre, wo der genetische Stempel das Schicksal besiegelt. Eva, das ist nicht mehr komisch, das ist beängstigend!
Aus: "Eva go home" vom Désirée Nick
Religionsunterricht der studierten Theologin
Bissig und scharfzüngig.Solche und weitere zumindest befremdliche Anklänge in Hermans Buch findet Nick zu Hauf - und das ist der große Verdienst ihres Buches. Wirklich lesenswert ist das neunte Kapitel, indem sich die studierte Theologin Nick mit der Schöpfungsgeschichte auseinandersetzt, die (nicht nur) Herman falsch verstanden habe. So könne mit der Schöpfungsgeschichte eben nicht die Ungleichbehandlung von Mann und Frau gerechtfertigt werden, schon gar nicht die Benachteiligung der Frau. Vielmehr sei die Schöpfungsgeschichte der erste Aufruf zur Frauenbewegung. Das klingt im ersten Moment abstrus, doch die ehemalige Religionslehrein Nick kann sachlich und überzeugend argumentieren. Hier zeigt sich, dass die Entertainerin durchaus etwas von Exegese versteht - es ist fundiert und unterhaltsam geschrieben, kurz: Man wünschte, dass das für das ganze Buch gelten würde.
Je weiter Nicks Streitschrift fortschreitet, desto schärfer wird der Ton. "Dieses Machwerk ist eine Katastrophe" heißt es schließlich auf Seite 145 über "Das Eva-Prinzip". Ganz so schlimm ist es bei "Eva go home" nicht.
Désirée Nick: Eva go home. Eine Streitschrift
Fischer Taschenbuch Verlag
Frankfurt am Main 2007
174 Seiten
7,95 Euro
Ihre Meinung zur Diskussion!
Wir wollten von Ihnen wissen, was Sie vom "Eva-Prinzip", der Erwiderung von Désirée Nick "Eva go home" und der Diskussion um die Folgen der Emanzipation halten. Vielen Dank für Ihre zahlreichen Beiträge.
Quelle: ARD 30.01.2007
