The German Angst
Japan erlebt gerade die schlimmste Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg. Und tatsächlich erinnern die Bilder ausgelöschter Städte fatal an Hiroshima und Nagasaki. Es handelt sich jedoch nicht um eine atomare Katastrophe, sondern um das Resultat von Naturkatastrophen – Erdbeben und Tsunami von bislang nicht gekannten Dimensionen. Dass dem Land als mittelbare Folge auch noch eine nukleare Verseuchung ähnlich wie in Tschernobyl droht, interessiert in Japan – angesichts von vermutlich bereits mehreren 10000 Toten – nur diejenigen im unmittelbaren Umkreis der Reaktoren. Wer gerade Haus und Hof oder vielleicht sogar die halbe Familie verloren hat, für den bleibt ein statistisch evtl. erhöhtes Krebsrisiko eine sehr theoretische Größe... Massenpanik in Tokio? Fehlanzeige!!
Ganz anders bei uns in Deutschland (mehr als 9000km entfernt!): Bereits wenige Stunden nach der tatsächlichen Katastrophe in Japan dominierte die Frage nach möglichen Folgen bei uns – jetzt und in Zukunft – die Nachrichtenlage und verdrängte die lebenden und toten Opfer Nippons zur Randnotiz. So lange die aktuellen Bilder noch nicht genügend Panik erzeugen, wiederholt man stundenlang und sogar am Samstagabend zur besten Sendezeit: "Tschernobyl 1986". Noch ist der neue GAU gar nicht passiert (der gern genommene „Super-GAU“ ist ohnehin nur reine Medien-Rhetorik, denn größer als „größte“ geht nun mal nicht…), schon werden in Deutschland – und sonst nirgendwo auf diesem Planeten – Kernkraftwerke abgeschaltet. Wohlgemerkt dieselben KKWs, die letzte Woche noch „die sichersten der Welt“ waren. Auf den Titelseiten der Münchner Boulevardpresse von heute ist keine Rede mehr von der unsäglichen Not und Trauer in Japan, sondern stattdessen: „Endlich: KKW Isar I wird abgeschaltet!“. Was für eine jämmerliche DEUTSCHE Ego-Manie!!
Kurz zur reichlich nüchternen Sachlage: Was immer in Fukushima noch passieren wird, es wird UNS weit weniger tangieren als etwa Tschernobyl, sofern es denn überhaupt die messtechnische Nachweisgrenze überschreitet. Jeder, der meiner Generation (Ü50) angehört, hat in seinem Leben ohnehin schon weit schlimmere „Strahlenschläge“ hinnehmen müssen - und überlebt. Das Stichwort heißt dabei nicht etwa „Tschernobyl“, sondern viel mehr „Bikini-Atoll“. Zu Zeiten der oberirdischen Atombombenversuche in den 50er und 60er Jahren waren wir im zarten Kindesalter auch in Europa ganz anderen Belastungen in der Atmosphäre ausgesetzt. Hat aber damals niemanden interessiert.
Zurück zur Gegenwart: Die Helden der Stunde sind in den bundesdeutschen Medien nicht etwa die japanischen und amerikanischen Techniker, die unter Einsatz ihres Lebens in Fukushima bleiben, um die Lage noch irgendwie unter ihre Kontrolle zu bringen. NEIN! Es sind vielmehr die deutschen Korrespondenten, die zunächst aus dem 250km entfernten Tokio und seit heute aus dem noch weiter entfernten Osaka berichten und sich im japanischen Winter eine kalte Nase holen. Dann heute im ARD-Mittagsmagazin der ultimative Triumpf: Selbst im fernen und so überaus atomfreundlichen Japan nimmt man endlich(!) Notiz von den Ereignissen in Deutschland! Wenn es so weiter geht, dann werden uns die Japaner demnächst Hilfstrupps schicken, damit wir der – von unseren Medien induzierten! – Massen-Hysterie überhaupt noch Herr werden...
JA – ich habe auch Angst! Vor den ganzen (Medien-)Narren, mit denen ich im Käfig Deutschland eingesperrt bin!!
P.S.: Vielleicht liegts aber auch daran, dass in 10 Tagen Wahlen sind in Baden-Württemberg...???
