
Herzlicher Glückwunsch zum Geburtstag!
Euer ergebener Jurij Below
Unser Land feiert in diesem Jahr 250 Geburtstag von Friedrich Schiller - ich lasse lieber ihn zum Wort zu kommen und zwar in der Sprache, wie vor 250 man gesprochen hat:
Ode an die Freude.
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligthum.
was der Mode Schwerd getheilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.
Seid umschlungen, Millionen!
Brüder – überm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.
eines Freundes Freund zu seyn;
mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Was den großen Ring bewohnet,
huldige der Simpathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte tronet.
an den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
folgen ihrer Rosenspur.
Küße gab sie uns und Reben,
Wollust ward dem Wurm gegeben,
und der Cherub steht vor Gott.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
über Sternen muß er wohnen.
in der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
die des Sehers Rohr nicht kennt!
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
durch des Himmels prächtigen Plan,
Laufet Brüder eure Bahn,
freudig wie ein Held zum siegen.
Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Zu der Tugend steilem Hügel
leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
sieht man ihre Fahnen wehn,
sie im Chor der Engel stehn.
Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die beßre Welt!
Droben überm Sternenzelt
schön ists ihnen gleich zu seyn.
Gram und Armut soll sich melden
unserm Todfeind sei verziehn.
Keine Thräne soll ihn pressen,
keine Reue nage ihn.
Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Brüder – überm Sternenzelt
richtet Gott wie wir gerichtet.
Freude sprudelt in Pokalen,
in der Traube goldnem Blut
Die Verzweiflung Heldenmut – –
Brüder fliegt von euren Sitzen,
wenn der volle Römer kraißt,
Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:
Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist,
überm Sternenzelt dort oben!
Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königstronen –
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!
Schließt den heilgen Zirkel dichter,
schwört bei diesem goldnen Wein:
schwört es bei dem Sternenrichter!
Rettung von Tirannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Auch die Toden sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr seyn.
süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder – einen sanften Spruch
aus des Todtenrichters Munde!
Johann Christoph Friedrich SCHILLER (1759-1805)
